Christian Wagner und Henry David Thoreau

Die CWG hat eine Broschüre erworben, die das Verhältnis von Christian Wagner zu dem amerikanischen Schriftsteller Henry David Thoreau (1817 – 1862) in einem neuen Licht zeigt. Thoreau ist vor allem durch seinen Bericht „Walden oder Leben in den Wäldern“ (1854; erste deutsche Übersetzung 1905) bekannt geworden, der eine ähnliche Lebenseinstellung wie die Schriften Christian Wagners zeigt. Wie die Broschüre nunmehr nahelegt, hat Wagner Thoreau sogar gekannt, zumindest seinen Namen und seine Ideen.

Sie stammt von dem deutsch-amerikanischen Schriftsteller Karl Knortz (geboren 1841 in der Nähe von Wetzlar, ausgewandert 1863, gestorben 1918 in North Tarrytown/USA) und erschien 1899 in deutscher Sprache in Hamburg unter dem Titel

„Ein amerikanischer Diogenes (Henry D. Thoreau)“. Auf der letzten Seite 32 zieht Knortz eine Parallele zwischen beiden Autoren: „Doch auch Deutschland scheint neuerdings in Christian Wagner (…) einen Geistesverwandten Thoreau’s zu besitzen.“ Somit ist Knortz wohl der erste, der Christian Wagner und Thoreau in einem Atemzug nennt.

Christian Wagner könnte diese Broschüre gekannt haben, denn er stand mit deren Verfasser Knortz in Briefkontakt. Leider sind nur drei Briefe Wagners an Knortz erhalten geblieben. Sie stammen aus den Jahren 1887, 1894 und 1897 und werden im Deutschen Literaturarchiv Marbach aufbewahrt. Aus dem Briefen geht hervor, dass sich Knortz und Wagner gegenseitig ihre Bücher schickten. Außerdem sandte Knortz Wagner Artikel zu, die in deutschsprachigen amerikanischen Zeitschriften über den Warmbronner Dichter erschienen waren. In der Logik dieses Austausches liegt es, dass Knortz Wagner 1899 auch seine Thoreau-Broschüre geschickt hat. Sie ist allerdings in der Bibliothek Wagners heute nicht erhalten. Umso wichtiger ist es deshalb, dass die CWG diese Broschüre erwerben konnte.