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Vorstellung des Christian-Wagner-Preises
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Der Namensgeber dieser vorwiegend als Lyrikpreis gedachten Auszeichnung, ist der schwäbische Dichter und Bauer Christian Wagner (1835-1918). Zu Lebzeiten wurde sein literarisches Werk von einem relativ kleinen, aber illustren Kreis geschätzt, allen voran Hermann Hesse, aber auch von Tucholsky, Karl Kraus oder Gustav Landauer; später noch Werner Kraft, Karl Kerenyi, Hermann Lenz u.v.a. bis hin zu Thomas Bernhard, Peter Handke und Wulf Kirsten; doch eine Art Außenseiter ist Wagner geblieben. Eine Renaissance erlebte der einst wenig weltgewandte Lyriker ab 1973, nach der Gründung einer Christian-Wagner-Gesellschaft in seinem Geburtsort Warmbronn bei Stuttgart. Sein Geburtshaus wurde vor der Spitzhacke gerettet und in ein Museum, Archiv und Veranstaltungsstätte verwandelt. Das literarische Werk erschien 1973 in einer einbändigen Auswahl, dann wurden fast alle Originalausgaben faksimiliert wiederveröffentlicht und 2003 kam im Wallstein Verlag eine zweibändige Werkausgabe, als Veröffentlichung der Akademie für Sprache und Dichtung in Darmstadt, heraus. 1992 begründete die Christian-Wagner-Gesellschaft in Verbindung mit der Stadt Leonberg und der damals noch existierenden Leonberger Bausparkasse die Herausgabe eines Literaturpreises, welcher, wie schon erwähnt, in erster Linie einem lyrischen Werk, möglichst in verwandtschaftlicher Anbindung an die Lyrik oder Lebensphilosophie (Natur- und Tierschutz) Christian Wagners, gelten sollte. Entsprechend der Reputation des Autors, welche sich, trotz bäuerlicher Wurzeln und der naturbezogenen Thematik seiner Lyrik, von Anfang an nicht auf seine schwäbische Heimat beschränkte, sondern selbst ins Ausland ausstrahlte (Frankreich, Ungarn), war es den Initiatoren des Preises ein Anliegen, auch die Wirkung und Bekanntheit der Auszeichnung über die Landesgrenzen hinaus zu tragen. Die bisherigen Preisträger: 1992, Richard Leising, Berlin (1934-1997). Trotz eines sehr schmalen Werkes, war die Ausstrahlung dieses Lyrikers in der DDR immens. Alle wichtigen Autoren kannten und schätzten ihn, obwohl von ihm in der damaligen DDR nur eine eigenständige Publikation in Form eines schmalen »Poesialbums« erschienen war. Erst 1990 erschien, auf Initiative von Sarah Kirsch, der Band »Gebrochen deutsch« im Verlag Langewiesche-Brandt, welcher noch einen Nachlassband mit dem Titel »Die Rothfahne« veröffentlichte. 1994, Tuvia Rübner (1924, Bratislava/Preßburg). Ein hebräisch- und deutschsprachiger Lyriker in Israel, der 1941 nach Palästina emigrierte und dort bis heute im Kibbuz Merchavia lebt. Sein literarisches Werk wurde in Deutschland anfangs in Übersetzung aus dem Hebräischen, dann auch in Originalsprache deutsch veröffentlicht; Christoph Meckel u.a. hat sich für den Autor eingesetzt. 1996, Johannes Kühn (1934, Bergweiler / Saarland). Ein Außenseiter aus ländlicher Umgebung, Christian Wagner nicht unähnlich. Krankheitsbedingt setzt sein eigentliches lyrisches Werk erst 1989 ein, als der Hanser Verlag den Band »Ich Winkelgast« veröffentlichte. Seine Anerkennung stieg seitdem stetig, bis hin zum Hermann-Lenz-Preis und Hölderlin-Preis von Bad Homburg. 1998, Karl Mickel (1935-2000). Die Begründung der Jury sagt schon alles über die Bedeutung des Preisträgers aus: »Der Dichter, welcher der deutschen Lyrik vielfältige, kraftvolle und neue Möglichkeiten erfand, der herb, unwirsch und zugleich voller Humor zu sprechen versteht, dem die Tradition eine Lust und ihre Vermittlung ein Vergnügen ist, der ein ganzes Jahrhundert nach Christian Wagner geboren wurde und ihm doch nahe ist in der kenntnisreichen Liebe zur deutschen Sprache und in dem Wunsch, dass nicht Katastrophen, sondern >Zukunftsglanz< über die Welt kommen möge«. Die Dankesrede des Preisträgers endete mit dem köstlichen Satz: »Hat Jemals Jemand Christian Wagners Fußspur gesehen?« 2000, Friederike Mayröcker (1924, Wien). Eine biographische Vorstellung erübrigt sich bei der Bekanntheit dieser Dichterin. Die Jury begründete ihre Entscheidung: 2002, Michael Donhauser (1956). Der bis dato jüngste Preisträger. Er überzeugte die Jury besonders mit einer modernen Art von Naturlyrik. »Dem Autor gelingt es mit den Mitteln und der Substanz der Sprache Natur zu erfassen und in eine überzeugend gestaltete, poetische Form zu bringen«. 2004, Dorothea Grünzweig (1952). Eine deutsche Lyrikerin aus Süddeutschland, die seit 1989 in Finnland lebt. In ihrer Art des Naturgedichts sah die Jury »eine Erweiterung der poetischen Sprache voller Eigenwilligkeit, Beweglichkeit und zarter Ehrerbietigkeit, mit der sie auf die Phänomene der Natur eingeht. Dies erlaubt es in ganz besonderer Weise, sie an die Seite des Dichters Christian Wagner zu stellen«. 2006, Oswald Egger (1963). Zu Beginn der Jurysitzung wies Ulrich Keicher auf das Spezifische dieses Preises hin: Vor allem sollte das Außenseitertum und das »Avantgardistische« Wagners berücksichtig werden. Es sollte möglichst auf Vielgepriesenes verzichtet werden. Die Jury entschied sich für Oswald Egger, dem sie eine außerordentliche Begabung zusprach, die Fülle der erstaunlichen Natureinzelheiten und das überwältigende Kontinuum der Gesamtnatur zum Ausdruck zu bringen. Er lässt sich gleichzeitig radikal auf das winzige Detail der Naturwelt ein und auf ihre unerschöpfliche sinnliche Größe – dies überzeugte die Jury, vertreten durch: Jutta Bendt, Bettina Schulte, Joachim Kalka, Rainer Moritz, Florian Höllerer und Ulrich Keicher (Vorsitzender, ohne Stimmrecht). 2008, Wulf Kirsten (1934, Weimar). Der Autor war eigentlich als Preisträger überfällig. Seit 1979 stand er aus literarischem Interesse stets in Verbindung mit Warmbronn. Schon zu DDR-Zeiten hatte er ein Publikationsprojekt »Christian Wagner« vorbereitet, dessen Unterlagen dann in die 2-bändige Ausgabe bei Wallstein 2003 eingegangen sind. Der Preisträger, ein ausgewiesener Kenner der süddeutschen Lyrik, und nicht nur des 20. Jahrhunderts, steht für den Preis aber durch seine eigene Dichtung. Die Jury begründet: Inzwischen hat der Preis, nach wechselnden Sponsoren der letzten Jahre, eine Dotierung von 10 000 Euro und wird hauptsächlich getragen von der Berthold Leibinger Stiftung und der Wüstenrot Stiftung. |